{"id":5018,"date":"2011-10-02T15:52:37","date_gmt":"2011-10-02T14:52:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.enricobaccarini.com\/?p=5018"},"modified":"2011-10-02T15:52:37","modified_gmt":"2011-10-02T14:52:37","slug":"ein-schreckliches-geheimnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.enricobaccarini.com\/?p=5018","title":{"rendered":"Ein schreckliches Geheimnis"},"content":{"rendered":"<address><a class=\"highslide\" onclick=\"return vz.expand(this)\" href=\"http:\/\/www.enricobaccarini.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/florenz1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-5022\" title=\"florenz\" src=\"http:\/\/www.enricobaccarini.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/florenz1-300x253.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"253\" srcset=\"https:\/\/www.enricobaccarini.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/florenz1-300x253.jpg 300w, https:\/\/www.enricobaccarini.com\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/florenz1.jpg 810w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/address>\n<address><\/address>\n<address>Von\u00a0Stefan Ulrich<\/address>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die mysteri\u00f6sen P\u00e4rchen-Morde von Florenz bleiben auch nach einer letzten Gerichtsverhandlung ungekl\u00e4rt. Das unbekannte &#8220;Ungeheuer&#8221; soll Orgien gefeiert und Leichen gesch\u00e4ndet haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Mischung aus Sch\u00f6nheit und Grauen sind schon viele Schriftsteller erlegen: Da w\u00e4ren einerseits die gr\u00fcnen, mit historischen Orten gesprenkelten Wein- und Zypressenh\u00fcgel der Toskana, wo sich in lauen Sommern\u00e4chten die Liebespaare treffen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und da w\u00e4ren andererseits Orgien und schwarze Messen in alten Villen, Morde, Leichensch\u00e4ndungen und der gro\u00dfe Unbekannte, den sie in Italien &#8220;il mostro&#8221;, &#8220;das Ungeheuer&#8221; nennen.<!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Engl\u00e4nderin Magdalen Nabb und der italienische Staatsanwalt Michele Giuttari haben dar\u00fcber Krimis verfasst, Thomas Harris lie\u00df sich f\u00fcr seine monstr\u00f6se Thriller-Figur des Hannibal Lecter inspirieren, und Anfang Juni kommt in Amerika wieder ein Buch zum Thema heraus. Der Titel: &#8220;<em>The Monster of\u00a0Florenc<\/em>e&#8221;.<\/p>\n<p><iframe src=\"http:\/\/rcm-it.amazon.it\/e\/cm?lt1=_blank&#038;bc1=000000&#038;IS2=1&#038;bg1=FFFFFF&#038;fc1=000000&#038;lc1=0000FF&#038;t=enrbaceni-21&#038;o=29&#038;p=8&#038;l=as4&#038;m=amazon&#038;f=ifr&#038;ref=ss_til&#038;asins=3404606086\" style=\"width:120px;height:240px;\" scrolling=\"no\" marginwidth=\"0\" marginheight=\"0\" frameborder=\"0\"><\/iframe><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Justiz hat nun ein neues &#8211; und ihr wom\u00f6glich letztes &#8211; Kapitel zu dieser Gruselgeschichte geschrieben. Ein Gericht in Florenz sprach jetzt den 67Jahren alten Francesco Calamandrei frei. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Apotheker aus dem Ort San Casciano Val di Pesa vorgeworfen, er habe den Mord an mehreren P\u00e4rchen im Florentiner Umland in Auftrag gegeben, um an weibliche Geschlechtsteile f\u00fcr schwarze Messen zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Calamandrei sagte nach der Urteilsverk\u00fcndung, sein Leben habe &#8220;eine Pause von 20 Jahren gehabt, in der ich das Monster war&#8221;. Nun brauche er viel Zeit, um zu\u00a0vergessen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zwei Jahrzehnte, so lange ermittelte die Staatsanwaltschaft gegen den Mann aus einer beg\u00fcterten Familie. Seine Ehefrau hatte ihn einst angezeigt, er bewahre Leichenteile im K\u00fchlschrank auf und stehe mit den P\u00e4rchenmorden in Verbindung. Die Frau wurde sp\u00e4ter als &#8220;schizophren&#8221; in ein Heim eingewiesen. Die Fahnder fanden in Calamandreis Haus keine K\u00f6rperteile, sondern lediglich Pornofilme und albtraumhafte Gem\u00e4lde, die der depressive Apotheker gemalt hatte. Das Gericht befand nun, es l\u00e4gen keine Beweise gegen ihn vor. Das R\u00e4tsel um die acht Doppelmorde ist und bleibt\u00a0ungel\u00f6st.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Mordserie, die die Menschen um Florenz so lange \u00e4ngstigte, begann in einer Augustnacht 1968. Etwas au\u00dferhalb der Stadt wurde ein Liebespaar in einem wei\u00dfen Alfa Romeo erschossen. Im September 1985 schlugen der oder die T\u00e4ter zum letzten Mal zu. Diesmal traf es ein franz\u00f6sisches Paar bei San Casciano. Ein Muster zieht sich durch alle Taten: Sie wurden immer in lauen Neumond-N\u00e4chten ver\u00fcbt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tatwaffe war stets eine Beretta Kaliber 22. Die Opfer waren Liebespaare, die Frauen wurden meist verst\u00fcmmelt. Einmal, 1983, traf es zwei homosexuelle Deutsche. Der T\u00e4ter hatte den einen Mann wegen dessen langer Haare wohl f\u00fcr eine Frau\u00a0gehalten.<\/p>\n<h3 style=\"text-align: justify;\">Im Auftrag einer Sekte?<\/h3>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Fahnder gingen zun\u00e4chst von einem Einzelt\u00e4ter aus. Im Lauf der Ermittlungen erarbeiteten sie dann ein halbes Dutzend Theorien. Mal war von einer Bande von Sarden die Rede, Mal von einer Gruppe halbdebiler D\u00f6rfler, mal von einer Organisation einflussreicher Leute aus der &#8220;guten Gesellschaft&#8221;, die sich f\u00fcr Orgien und satanische Riten Leichenteile verschaffte. In die Ermittlungen, die zu den aufwendigsten der italienischen Kriminalgeschichte geh\u00f6ren, wurden der Geheimdienst des Landes sowie das FBI eingeschaltet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Zusammenhang mit der Fahndung kam es zu drei Selbstmorden und sieben weiteren Morden. Die Justiz l\u00e4hmte sich durch inneren Streit teilweise selbst. Wie so oft in Italien entstand ein Gebr\u00e4u aus Verd\u00e4chtigungen. So hie\u00df es, einflussreiche Hinterm\u00e4nner w\u00fcrden von Teilen der Justiz\u00a0gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schlie\u00dflich setzte sich in der Staatsanwaltschaft eine Theorie durch. Danach sollen drei M\u00e4nner aus der Gegend von San Casciano die Morde f\u00fcr Geld ausgef\u00fchrt haben. Der als gewaltt\u00e4tig geltende Bauer Pietro Pacciani wurde 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt, dann frei gesprochen. Schlie\u00dflich sollte sein Prozess neu aufgerollt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor es dazu kam, starb Pacciani 1998 unter dubiosen Umst\u00e4nden. Zwei seiner Kumpel, ein Postbote und ein Arbeitsloser, wurden wegen eines Teils der Morde rechtskr\u00e4ftig verurteilt. Die Staatsanwaltschaft geht bis heute davon aus, das Trio habe im Auftrag eines obskuren, sektenartigen Netzes get\u00f6tet. Als Mittelsmann habe Calamandrei\u00a0gewirkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Gericht in Florenz konnte sich von einer Schuld des Apothekers jedoch nicht \u00fcberzeugen. Der Journalist Mario Spezi, der sich seit langem mit dem Fall besch\u00e4ftigt, sieht sich nun best\u00e4tigt. Er h\u00e4lt nichts von der Sekten-Theorie, sondern meint: &#8220;Das Ungeheuer ist ein Serienkiller, der noch lebt.&#8221; Allerdings wurde Spezi 2006 selbst vor\u00fcbergehend unter dem Verdacht inhaftiert, die Ermittler in die Irre zu f\u00fchren. Wie auch immer: Die gr\u00fcnen H\u00fcgel um San Casciano bewahren ihr Geheimnis &#8211; und das Gesicht des Monsters bleibt ihm Dunkeln.<\/p>\n<p>Source &#8211; <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/panorama\/mord-in-italien-ein-schreckliches-geheimnis-1.184176\">Sueddeutsche.de<\/a>, 26 Mai 2008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die mysteri\u00f6sen P\u00e4rchen-Morde von Florenz bleiben auch nach einer letzten Gerichtsverhandlung ungekl\u00e4rt. 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